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ONKOLOGIE/1114: Kölner Forscher entwickeln neuen Therapiestandard für Leukämie (idw)


Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. - 01.10.2010

Überlebens-Chancen verbessert
Kölner Forscher entwickeln neuen Therapiestandard für Leukämie


Erstmals konnte durch einen medikamentösen Therapieansatz die Überlebenszeit von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) deutlich verlängert werden. Der Lancet, eine der renommiertesten Fachzeitschriften der Medizin, berichtet in seiner heute erschienenen Ausgabe über die Ergebnisse einer Kölner Leukämie-Studie.

In der gleichen Ausgabe des Lancet schreibt der englische Wissenschaftler Peter Hillmen (Leeds): "Nur selten hat eine einzige klinische Phase III-Studie eine so massive Auswirkung auf die Behandlung einer Erkrankung wie die CLL8-Studie der Deutschen CLL-Studiengruppe es für die Therapie der CLL hat." (Übersetzung: Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.) Er bezeichnet diese Studie als Meilenstein, der für die Behandlung dieser Leukämie einen fundamentalen Wandel einleitet.

Verlängerung der Überlebenszeit durch neue Chemoimmuntherapie

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die zweithäufigste Leukämie und gilt gegenwärtig als nicht heilbar. Sie wurde bisher mit Chemotherapien behandelt. In der CLL8-Studie der Deutschen CLL Studiengruppe wurden insgesamt 817 Patienten zuvor nicht therapierte Patienten in 190 Behandlungszentren in 11 Ländern behandelt. 408 Patienten wurden zufällig der Behandlung mit einer Chemoimmuntherapie bestehend aus Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab (FCR) zugeteilt. 408 Patienten erhielten eine Chemotherapie aus Fludarabin und Cyclophosphamid (FC). Drei Jahre nach der Chemoimmuntherapie war die Krankheit bei 65 % der Patienten nicht weiter fortgeschritten - im Vergleich zu 45 % der Patienten, die die Chemotherapie erhalten hatten. Das zentrale Resultat dieser Studie ist jedoch, dass sich die Überlebenswahrscheinlichkeit durch die Chemoimmuntherapie nachweislich erhöhte. Drei Jahre nach der Behandlung lebten 87 % der zusätzlich mit Rituximab behandelten Patienten gegenüber 83 % der Patienten, die allein die Chemotherapie erhalten hatten.

Was ist nun so neu an den Ergebnissen der Kölner CLL8-Studie? - Erstens zeigen die Ergebnisse, dass die Güte des Therapieansprechens durch die neue Chemoimmuntherapie, also die Kombination aus dem monoklonalen Antikörper Rituximab mit den Zytostatika Fludarabin und Cyclophosphamid (FCR) viel besser ist, als für vorherige Therapien. Fast die Hälfte der Patienten (44 %) erreichen eine komplette Remission mit der Chemoimmuntherapie im Vergleich zu weniger als einem Viertel (22 %) mit der Chemotherapie aus Fludarabin und Cyclophosphamid (FC) allein. Daraus folgt, dass die Remissionsqualität eine echte Auswirkung auf die Überlebenschancen hat. Zweitens fügt das Rituximab der Therapie einen neuen Mechanismus hinzu, der die Leukämiezellen abtötet. Anders als bei Chemotherapien ist dieser Mechanismus unabhängig von dem Tumorsuppressor-Protein p53. Dadurch reduzieren monoklonale Antikörper die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Therapie-resistente Leukämie entwickelt. Vermutlich ist dieser Mechanismus dafür verantwortlich, dass die Chemoimmuntherapie die Überlebenschancen von CLL-Patienten verbessert.

Maßgeschneiderte Behandlung

Die CLL8-Studie etabliert aber nicht nur einen neuen therapeutischen Goldstandard. Die Studie kündigt auch eine neue Behandlungs-Ära für diese Leukämie an, indem sie zeigt, dass bestimmte genetische Subgruppen von Patienten unterschiedlich von der Chemoimmuntherapie profitieren.

Dazu sagt Peter Hillmen in seinem Kommentar: "Wir können nicht länger bei allen Patienten mit CLL die gleiche Therapie anwenden und sind damit bei der Behandlung der CLL im Zeitalter der personalisierten Medizin angekommen. (...) Wir sind nun in der Lage, Patienten zu identifizieren, die von vornherein eine schlechte Prognose haben, um sie für neuartige therapeutische Ansätze in Betracht zu ziehen." (Übersetzung: Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.)

Die mittels genetischer Tests erkennbaren Veränderungen an den Chromosomen sind dabei der bedeutsamste Faktor: Patienten mit einem Verlust des kurzen Arms von Chromosom 17 (17p-Deletion) haben die schlechteste Prognose. Dagegen haben Patienten mit einem Verlust des langen Arms von Chromosom 13 (13q-Deletion) oder einer Trisomie 12 einen guten Verlauf nach Chemoimmuntherapie. Am eindrucksvollsten sind die Ergebnisse für Patienten mit einem Verlust des langen Arms von Chromosom 11 (11q-Deletion). Sie hatten bisher eine schlechte Prognose, sprechen aber so gut auf die Chemoimmuntherapie an, dass ihre Prognose jetzt zu der von Gruppen mit gutem Risiko vergleichbar wird.

"Daher", so der Studienleiter Professor Hallek von der Universität Köln, "wird die CLL8-Studie die Behandlungsstrategie der CLL stark verändern. Wir werden ab jetzt unsere Behandlung nach der Genetik und Biologie der Leukämie maßschneidern. Zudem werden wir stets versuchen, das bestmögliche Ansprechen durch die erste Therapie zu erzielen." Was ist der nächste Schritt? "Es gilt jetzt, den Therapieerfolg der Chemoimmuntherapie durch eine Erhaltungsbehandlung zu bewahren", so Hallek weiter. Dies soll in künftigen Studien getestet werden.


Literatur:

M Hallek, K Fischer, G Fingerle-Rowson et al.
Addition of rituximab to fludarabine and cyclophosphamide for patients with chronic lymphatic leukaemia: a randomized, open-label, phase 3 trial.
Lancet 2010, 376:1164-74.
DOI: S0140-6736(10)61381-5

P Hillmen.
Chronic lymphocytic leukaemia - moving towards cure?
Lancet 2010, 376:1122-1124.
DOI: S0140-6736(10)61512-7

Ansprechpartner zur Studie:
Professor Dr. Michael Hallek
Direktor der Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln
D-50924 Köln
E-Mail: michael.hallek@uni-koeln.de
Internet: innere1.uk-koeln.de und www.dcllsg.de

Zur Deutschen CLL-Studiengruppe
Die Deutsche CLL Studiengruppe ist Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., einem Zusammenschluss führender deutscher Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen. Die Kooperation trägt dazu bei, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern und neue Ergebnisse aus der Forschung schnellstmöglich in die Patientenversorgung zu überführen. Auch Patienten und Selbsthilfeverbände sind eingebunden, so dass ihre Fragen und Bedürfnisse in die Gestaltung der Forschungsprojekte einfließen. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. ist eines von inzwischen 21 Kompetenznetzen in der Medizin und wurde zwischen 1999 und 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

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Quelle:
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., Silke Hellmich, 01.10.2010
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veröffentlicht im Schattenblick zum 5. Oktober 2010